Zum Gedenken an Ks. Karan Armstrong-Friedrich

(14. Dezember 1941 – 28. September 2021)

Karan RWV 2009

Karan Armstrong und Wagner – das war eine Verbindung, die weit über die Partien des Bayreuther Meisters hinaus ging, welche die Sopranistin im Lauf ihrer über ein halbes Jahrhundert währenden Karriere verkörpert hatte. Dabei war ihr Wagner-Repertoire an sich schon eindrucksvoll – außer Eva und Isolde fehlte keine der großen Sopranpartien. Neben Senta, Sieglinde, Elsa und Elisabeth hat sie im Tannhäuser auch die Venus verkörpert. Als Kundry hat sie schon in den 80er Jahren das Territorium zwischen dramatischem Mezzo und hochdramatischem Sopran erkundet und schließlich in Helsinki auch alle drei Brünnhilden gewagt.

 

Die Inszenierung stammte einmal mehr von Götz Friedrich, mit dem Armstrong über zwei Jahrzehnte eine legendär intensive Künstlerehe verband. Das explosive Zusammentreffen bei Strauss’ Salome in Stuttgart führte über mehrfache Abreisen der Sopranistin und dezidiert ausgetragene Differenzen in der Rollenauffassung schließlich zu einem durchschlagenden Erfolg und zu Friedrichs Heiratsantrag, dem Armstrong nach zwei Jahren stattgab. Sie war dann Elsa in seiner Bayreuther Inszenierung des Lohengrin, Kundry in seinem Stuttgarter Parsifal, Venus in seinem Berliner Tannhäuser und natürlich vor allem Sieglinde und Gutrune im legendären Zeittunnel – Friedrichs Ring-Inszenierung haben seit den 80er Jahren über 400.000 Zuschauer gesehen.

 

Bei den letzten Aufführungen 2017 war Karan Armstrong natürlich im Auditorium – immer wieder hat sie sich als Sachwalterin nicht nur einer der bedeutendsten Ring-Inszenierungen an der Schwelle vom 20. zum 21. Jahrhundert, sondern auch der unzähligen Fans eingesetzt, die diese vielleicht prägnanteste Produktion ihres Ehemannes hatte.

 

Als spiritus rector und kongeniale Partnerin von Friedrichs umfassender Musiktheaterkonzeption war sie zudem ein wichtiger Motor in der Götz Friedrich Stiftung, Die Stimme nicht nur der Sängerdarsteller Sonden – nach Friedrichs Tod – auch ihres Mannes  hat sie seit 1995 vielen Regisseuren den Weg in den Musiktheaterbetrieb gebahnt. Letztlich ist es konsequent, dass die Nachfolgeinszenierung von Friedrichs Ring mit Stefan Herheim von einem Träger des Götz Friedrich Preisträger verantwortet wird.

 

Auch für die neue Sängergeneration hat sich Karan Armstrong leidenschaftlich eingesetzt. Mit ihrer begeisterten Unterstützung der Lotte Lehmann Akademie hat sie zudem entscheidend dazu beigetragen, das künstlerische Erbe ihrer legendären Lehrerin dauerhaft und auf herausragendem Niveau in deren Geburtsstadt Perleberg zu verankern. Lotte Lehmann hatte mit ihrer Sieglinde, Elsa, Eva und Elisabeth ebenfalls Gipfelpunkte der Wagner-Interpretation markiert.

 

Auch der Richard Wagner Verband Berlin Brandenburg verdankt Karan Armstrong viele Höhepunkte und beglückende Erlebnisse - sei es im Podiumsgespräch, bei den Galadiners zum 210. Geburtstag von Marie d’Agoult oder – als eine von drei Brünnhilden – anlässlich der letzten Aufführungen von Götz Friedrichs Ring-Produktion.

 

Karan Armstrongs Wirken reichte weit über Wagner hinaus – so grenzenlos wie ihr Repertoire und ihre künstlerische Neugier und Schaffenskraft, so unerschöpflich schienen ihre Lebensfreude, ihr Humor, ihre Energie und ihr strahlendes Lächeln. Es ist noch kaum zu glauben und zu fassen, dass all dies am 28. September so unvermittelt erloschen ist. (AR)

 

Karan und Rainer

Karan Ring